26.03.2009

Über die Ausbildung von ADHS-Hunden



Hunde können den Besuch beim Arzt oder beim Therapeuten für den Menschen nicht ersetzen, allerdings können sie dabei helfen, Krankheitssymptome zu lindern und Handicaps erträglicher zu machen. Hundetrainer Rolf Schweizer bildet Vierbeiner aus, die Erwachsenen, aber vor allem Kindern dabei helfen, besser mit ihrem Aufmerksamkeitsdefizitsyndrom oder Hyperaktivitätssyndrom klar zu kommen. HalloHund hat den Experten zu seiner Arbeit befragt.  

ADS oder auch ADHS ist eine psychische Störung, die im frühen Kindesalter beginnt und in unterschiedlichem Krankheitsverlauf bis ins Erwachsenenalter fortbestehen kann. Die Störung zeichnet sich durch Probleme mit der Aufmerksamkeit, Impulsivität und Hyperaktivität aus, wodurch ein normales Leben zeitweise unmöglich werden kann. Ein ADHS-Hund ist kein anerkannter Therapiehund und doch kann er dabei helfen, die Auswirkungen eines Aufmerksamkeitsdefizitsyndroms oder eines Hyperaktivitätssyndroms zu lindern und zwanghaftes Verhalten in eine positive Richtung umzuleiten.  


HalloHund: Welche Hunde eignen sich für die Arbeit mit ADHS-Patienten?
Rolf Schweizer: Im Endeffekt alle, man muss nur das jeweilige Gegenstück zu dem ADHS-Symptom finden. Man kann bei einem hyperaktiven Kind mit ADHS zum Beispiel keinen Hund nehmen, der selbst sehr aktiv ist – dazu gehören Jack Russel oder Jagdterrier. Hier würden sich die Symptome in den meisten Fällen verstärken: Kind und Hund würden sich gegenseitig hochschaukeln.
Einen sehr ruhigen Hund hingegen kann man schlecht mit einem Kind zusammenbringen, das selbst sehr zurückgezogen lebt. Hier würde sich ein Negativeffekt einstellen, denn Kind und Hund würden sich gegenseitig runterziehen.

Um das passende Gegenstück zu einem ADHS-Menschen zu finden, muss man tierische Instinkte begreifen und das Territorialverhalten der Vierbeiner kennen, sowie die rassetypischen Verhaltensweisen einschätzen lernen. Besonders wichtig ist es jedoch, die Reizschwelle eines Hundes zu erkennen. Ein Beispiel: Ein Hund mit einer niedrigen Reizschwelle mit einem Kind zusammen zu bringen, das ständig aufspringt und hyperaktiv herumtollt, wäre verheerend. Der Hund würde in so eine Stresssituation kommen, dass sich ein Übergriff auf den Menschen fasst nicht mehr verhindern ließe.

 

HalloHund: Wie werden die Hunde trainiert?
Rolf Schweizer: Die Hunde werden ausschließlich mit dem "Trainingspartner", also dem Mensch oder Kind mit Handicap trainiert. Die Person mit ADHS muss zum Hauptbezugspunkt des Hundes werden.   
In den Trainingseinheiten schulen wir in erster Linie die Kommunikation zwischen Mensch und Hund. Dabei konditionieren wir den Hund auf die Mimik des Menschen. Und bringen ihm dadurch bei, für den Menschen schwierige Situationen zu erkennen und daraufhin zu handeln – zum Beispiel durch Spielaufforderung bei sehr ruhigen Kindern oder Schmuseaufforderung bei hyperaktiven Kindern. Trainiert wird über den Beute-, Futter- oder Spieltrieb des Tieres.

Bei unserem Training legen wir außerdem größten Wert auf gewalt- und stressfreie Ausbildung, sowie tier- und artgerechte Methoden. Hunde müssen Hunde bleiben, nur dadurch ist es möglich, dass der Vierbeiner auf die Mimik des jeweiligen menschlichen Partners reagieren kann.

 

HalloHund: Geben Sie spezielle Kurse? Oder machen Sie Einzelstunden?
Rolf Schweizer: Sowohl als auch. In Kliniken geben wir meist Gruppenkurse, in denen wir Eltern und Kindern die Grundsituation, die Möglichkeiten und die jeweiligen Hunderasse  erklären. Auch in unserem Verein geben wir Gruppennachmittage. Ansonsten läuft die ganze Trainingsmethode oder besser gesagt die Konditionierungsmethode im Haushalt der jeweiligen Hundehalter ab.



HalloHund: Was ist Ihnen im Umgang mit den Tieren besonders wichtig?
Rolf Schweizer: Wichtig ist, das Tier Hund sein zu lassen. Nur so kann der Hund sich genauso wie ein Mensch richtig entfalten, seine Stärken finden und seine Persönlichkeit entwickeln. Erst ein ausgeglichener und zufriedener Hund ist ein guter ADHS Familien-Hund.



HalloHund: Zeigen sich Verbesserungen im Verhalten der Kinder, die mit Hund zusammenleben?
Rolf Schweizer: Oftmals fangen die Verbesserungen schon bei den schulischen Leistungen an, da wir die Eltern und die Kinder dazu animieren mit dem Hund zu lernen. Anstatt mit Zahlen kann zum Beispiel in Hundeleckerlis gerechnet werden. Außerdem kommen gute Verhaltensverbesserungen im Umgang mit anderen Kindern zustande (Hunde als Kontaktmittel), sowie im hyperaktivem Verhalten. Die Kinder werden bedeutend ruhiger. Sehr gute Verbesserungen können auch bei sehr zurückgezogenen Kindern beobachtet werden, die durch die Hunde immer mehr aus sich rauskommen und so wieder schneller Anschluss an andere Kinder finden können.


Wir danken Herr Schweizer für das informative Interview.


Weitere Links zum Thema:

Über ADHS

Dog-Schweizer.de 

Der Bericht einer Mutter 

 

 


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Kommentare

 

29.03.2009 12:15:46 Uhr

Laila661

Adhs im Erwachsenen alter.

Hallo,
bei mir wurde im alter von 25 Jahren ADHS festgestellt, und ich war verzweifelt.
Durch zufall bin ich auf die seite von Rolf Schweizer gestossen.
ich habe auch einen Hund mit dem ich ünerhaupt nicht zu recht kam.
Ich konnte keine verbindung zu Ihm aufbauen, und der Hund hat überhaupt nicht gehört, da ich falsche Signale gesetzt hatte.
In der Hundeschule hiess es immer nur wir wären ein schwerer fall, was mir aber nicht weiter geholfen hat.
Bis wir Herr Schweizer zuhause hatten, dank Intensivem Training mit Hund und Halter, haben wir mittlerweile alles im Griff.
Lg Laila

27.03.2009 14:04:41 Uhr

Juanita

Mein Sohn hat auch ADS

Hallo.
Ich fand den Artikel sehr interessant!!
Mein 10-jähriger Sohn hat auch ADS und ist typischerweise sehr verträumt und zurückhaltend.
Er nimmt schon seit Jahren Medikamente, sonst würde er in der Schule völlig untergehen.
Dass es dafür auch Therapiehunde gibt wusste ich noch nicht.
Wir haben ja nun seit Oktober 08 auch einen Hund, ich hoffe, dass ihm das etwas hilft freier im Umgang mit anderen Menschen zu werden.
Lg
Sandra

27.03.2009 08:55:00 Uhr

JennaS

Arbeitsgebiet von Rolf Schweizer

Guten morgen ihr Lieben,


Herr Schweizer arbeitet Bundesweit und im europäischen Ausland, sofern dort deutsch gesprochen wird oder ein Dolmetscher vor Ort ist.

Viele Grüße und einen schönen Tag wünsch ich euch,


Jenna

26.03.2009 17:00:00 Uhr

Briard

Hallo, der Bericht ist zwar

Hallo,
der Bericht ist zwar toll, hilft mir jedoch nicht richtig weiter. Ich bin Lehrerin an einer sogenannten Brennpunkt-Grundschule und habe es täglich mit ADHS-Kindern zu tun, die meinen Hund auch schon kennen. Es ist erwiesen, dass ausgebildete Hunde helfen können. Ich hatte auch schon an Therapiebegleithund gedacht, scheue jedoch die Kosten, so lange es noch keine anerkannte Prüfungsordnung wie z.B. beim Rettungshund gibt. Da es Stress für den Hund bedeutet, würde ich ihn auch nur 1x in der Woche mit in die Schule nehmen. Ich kenne Schulen, in denen das geht. Meine Rektorin ist bisher dagegen. Weiß jemand, ob eine Prüfungsordnung geplant ist? Hat jemand Ideen, wie ich meine Rektorin umstimmen könnte?
LG
Briard

26.03.2009 15:13:00 Uhr

JennaS

Kontakt zum Profi

Liebe Julia und Penny,


Ich würde dir einfach raten ihn persönlich zu kontaktieren.

Viele Grüße

Jenna

26.03.2009 15:05:33 Uhr

.krisii.

Cooler Bericht =))

hm der Bericht ist zwar klasse aber traurig den meine Tante is auch Adhs gestört..
Ja sehr schlimm. Aber dank ihren Hund hat sie wieder etwas freude am Leben..

Danke ihr Hunde.

LG:Krisii und Buster the dog <3

26.03.2009 14:02:20 Uhr

miramis85

hallo, ich bin leider auch

hallo, ich bin leider auch eine von den ads-betroffenen. das nimmt aber irgendwie kaum einer ernst, da es angeblich ja nur eine ausgedachte neumorderne krankheit ist. Mir hat meine penny auch schon viel geholfen. mir fehlte z.b. vorher ziemlich die struktur im tagesablauf. seit ich penny habe, muss ich ja eine gewisse struktur einhalten, weil sie ja auch raus muss. auch meine emotionen habe ich seitdem besser im griff. ich bin oft wegen kleinigkeiten in die luft gegangen und ziemlich laut geworden. da habe ich auch starke stimmungsschwankungen gehabt. ich weiß genau, dass meine penny aus einer schlechten haltung kommt. sie ist sehr sensibel, wenn jemand laut und aufbrausend wird. dann hat sie angst und versteckt sich. für penny schaffe ich es mich zurückzuhalten, weil ich ihr keine angst machen möchte, die hatte sie nämlich wohl schon genug im leben.für meine penny tue ich alles! im umgang mit meinen mitmenschen fällt es mir allerdings immer noch nicht so leicht, meine emotionen zurückzunehmen. da merkt man dann auch, dass ein hund als therapie alleine nicht reicht. aber es hilft, einen zu haben. hätte dann auch gleich nochmal eine frage: gibt es vielleicht auch kurse in meiner nähe??? wohne in der nähe von bremen. würde mich sehr in interessieren mal mit nem profi zu sprechen. Lg julia und penny

 

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  • Danke liebe Esta für die schöne Karte.

Glg Angy   Timmy&Mandy
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Wir wünschen euch einen schönen Tag :-)
  • Was hab den ich da auf meiner Nase ?

Wünschen euch allen ein schönes Wochenende.

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