Interview

Über die Ausbildung von ADHS-Hunden

Hunde können den Besuch beim Arzt oder beim Therapeuten für den Menschen nicht ersetzen, allerdings können sie dabei helfen, Krankheitssymptome zu lindern und Handicaps erträglicher zu machen. Hundetrainer Rolf Schweizer bildet Vierbeiner aus, die Erwachsenen, aber vor allem Kindern dabei helfen, besser mit ihrem Aufmerksamkeitsdefizitsyndrom oder Hyperaktivitätssyndrom klar zu kommen. HalloHund hat den Experten zu seiner Arbeit befragt.  

ADS oder auch ADHS ist eine psychische Störung, die im frühen Kindesalter beginnt und in unterschiedlichem Krankheitsverlauf bis ins Erwachsenenalter fortbestehen kann. Die Störung zeichnet sich durch Probleme mit der Aufmerksamkeit, Impulsivität und Hyperaktivität aus, wodurch ein normales Leben zeitweise unmöglich werden kann. Ein ADHS-Hund ist kein anerkannter Therapiehund und doch kann er dabei helfen, die Auswirkungen eines Aufmerksamkeitsdefizitsyndroms oder eines Hyperaktivitätssyndroms zu lindern und zwanghaftes Verhalten in eine positive Richtung umzuleiten.  


HalloHund: Welche Hunde eignen sich für die Arbeit mit ADHS-Patienten?
Rolf Schweizer: Im Endeffekt alle, man muss nur das jeweilige Gegenstück zu dem ADHS-Symptom finden. Man kann bei einem hyperaktiven Kind mit ADHS zum Beispiel keinen Hund nehmen, der selbst sehr aktiv ist – dazu gehören Jack Russel oder Jagdterrier. Hier würden sich die Symptome in den meisten Fällen verstärken: Kind und Hund würden sich gegenseitig hochschaukeln.
Einen sehr ruhigen Hund hingegen kann man schlecht mit einem Kind zusammenbringen, das selbst sehr zurückgezogen lebt. Hier würde sich ein Negativeffekt einstellen, denn Kind und Hund würden sich gegenseitig runterziehen.

Um das passende Gegenstück zu einem ADHS-Menschen zu finden, muss man tierische Instinkte begreifen und das Territorialverhalten der Vierbeiner kennen, sowie die rassetypischen Verhaltensweisen einschätzen lernen. Besonders wichtig ist es jedoch, die Reizschwelle eines Hundes zu erkennen. Ein Beispiel: Ein Hund mit einer niedrigen Reizschwelle mit einem Kind zusammen zu bringen, das ständig aufspringt und hyperaktiv herumtollt, wäre verheerend. Der Hund würde in so eine Stresssituation kommen, dass sich ein Übergriff auf den Menschen fasst nicht mehr verhindern ließe.

 

HalloHund: Wie werden die Hunde trainiert?
Rolf Schweizer: Die Hunde werden ausschließlich mit dem "Trainingspartner", also dem Mensch oder Kind mit Handicap trainiert. Die Person mit ADHS muss zum Hauptbezugspunkt des Hundes werden.   
In den Trainingseinheiten schulen wir in erster Linie die Kommunikation zwischen Mensch und Hund. Dabei konditionieren wir den Hund auf die Mimik des Menschen. Und bringen ihm dadurch bei, für den Menschen schwierige Situationen zu erkennen und daraufhin zu handeln – zum Beispiel durch Spielaufforderung bei sehr ruhigen Kindern oder Schmuseaufforderung bei hyperaktiven Kindern. Trainiert wird über den Beute-, Futter- oder Spieltrieb des Tieres.

Bei unserem Training legen wir außerdem größten Wert auf gewalt- und stressfreie Ausbildung, sowie tier- und artgerechte Methoden. Hunde müssen Hunde bleiben, nur dadurch ist es möglich, dass der Vierbeiner auf die Mimik des jeweiligen menschlichen Partners reagieren kann.

 

HalloHund: Geben Sie spezielle Kurse? Oder machen Sie Einzelstunden?
Rolf Schweizer: Sowohl als auch. In Kliniken geben wir meist Gruppenkurse, in denen wir Eltern und Kindern die Grundsituation, die Möglichkeiten und die jeweiligen Hunderasse  erklären. Auch in unserem Verein geben wir Gruppennachmittage. Ansonsten läuft die ganze Trainingsmethode oder besser gesagt die Konditionierungsmethode im Haushalt der jeweiligen Hundehalter ab.



HalloHund: Was ist Ihnen im Umgang mit den Tieren besonders wichtig?
Rolf Schweizer: Wichtig ist, das Tier Hund sein zu lassen. Nur so kann der Hund sich genauso wie ein Mensch richtig entfalten, seine Stärken finden und seine Persönlichkeit entwickeln. Erst ein ausgeglichener und zufriedener Hund ist ein guter ADHS Familien-Hund.



HalloHund: Zeigen sich Verbesserungen im Verhalten der Kinder, die mit Hund zusammenleben?
Rolf Schweizer: Oftmals fangen die Verbesserungen schon bei den schulischen Leistungen an, da wir die Eltern und die Kinder dazu animieren mit dem Hund zu lernen. Anstatt mit Zahlen kann zum Beispiel in Hundeleckerlis gerechnet werden. Außerdem kommen gute Verhaltensverbesserungen im Umgang mit anderen Kindern zustande (Hunde als Kontaktmittel), sowie im hyperaktivem Verhalten. Die Kinder werden bedeutend ruhiger. Sehr gute Verbesserungen können auch bei sehr zurückgezogenen Kindern beobachtet werden, die durch die Hunde immer mehr aus sich rauskommen und so wieder schneller Anschluss an andere Kinder finden können.


Wir danken Herr Schweizer für das informative Interview.


Weitere Links zum Thema:

Über ADHS

Dog-Schweizer.de 

Der Bericht einer Mutter